Rede

Verabschiedung FOS 12 Marktredwitz

Datum der Rede: 23.07.10 Rednerin/Redner: Staatsminister Siegfried Schneider

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort

- Anrede -

Ich freue mich sehr, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, heute mit Ihnen gemeinsam einen so wichtigen Meilenstein Ihres bisherigen Lebens, den erfolgreichen Abschluss Ihrer Schullaufbahn zu feiern! Gerne bin ich daher Ihrer Einladung, sehr verehrter Herr Oberstudiendirektor Donnert, gefolgt, um heute den ersten Abiturjahrgang der FOS Marktredwitz zu verabschieden!

Sie alle können auf Ihre Leistungen stolz sein! Ich gratuliere Ihnen zu diesem schönen Erfolg, der für Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, den Beginn eines neuen Lebensabschnittes markiert! Gerne überbringe ich auch die herzlichen Glückwünsche der gesamten Bayerischen Staatsregierung.

Von einem solchen Erfolg geht immer ein besonderer Glanz aus – gerade bei einer solchen Feierstunde. Doch darf uns dieser Glanz nicht darüber hinwehtäuschen: Jeder Erfolg hat eine Vorgeschichte. Hinter jedem Erfolg steht harte Arbeit. Erfolg ist kein Zufall. Er ist ein Ergebnis!

Heute Abend ernten Sie die langersehnten Früchte Ihrer Mühen. Das ist wahrlich ein Grund sich zu freuen und zu feiern! Und das sollten Sie auch wirklich tun: Denn wer sich über das Geleistete freut, wer den eigenen Erfolg gehörig feiert – der tankt auch Kraft und Mut für kommende Herausforderungen, zukünftige Aufgaben und Chancen!

Und die nächste Aufgabe, die nächste Herausforderung, die nächste Chance wartet bereits auf Sie alle. Oder um mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, zu sprechen: „Ganz egal, wie viel man getan hat oder wie erfolgreich man war, es gibt immer noch mehr zu tun, noch mehr zu lernen, noch mehr zu erreichen!“

In der Tat - wir leben in einer Zeit, die geprägt ist von Umbrüchen. Die Anforderungen an junge Erwachsene, an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich tagtäglich im Berufsleben bewähren müssen, steigen stetig. Fundiertes Fachwissen ist eine gute Grundlage, trägt aber keinen mehr durch ein ganzes Berufsleben. Technisierung und Globalisierung erfordern Flexibilität und Mobilität vom Arbeitnehmer. Zunehmende Internationalisierung erfordert Sprachkenntnisse und Vergleichbarkeit der Abschlüsse.

Wissen überholt sich immer schneller: Von 1800 bis 1900 – also in 100 Jahren – hat sich das weltweite Wissen verdoppelt: Heute können wir von einer Verdoppelung des Wissens alle vier Jahre ausgehen, wobei in manchen Bereichen die Entwicklung noch viel rasanter ist. So geht man im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien von einer Halbwertszeit des Wissens von nur eineinhalb Jahren aus.

Wir müssen daher der Bildung insgesamt, der Fortbildung wie der beruflichen Weiterqualifizierung einen hohen Stellenwert einräumen! In einem Land ohne Resourcen ist „Geist“, der bedeutendste Rohstoff, den wir haben! Denn es sind die Köpfe der nächsten Generation, die über die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft entscheiden!

Dazu brauchen wir junge Menschen, die bereit sind in einen Prozess des lebenslangen Lernens einzutauchen. Wir brauchen junge Menschen, die etwas bewegen, entscheiden und erreichen wollen. Kurz: Sehr verehrte Abiturientinnen und Abiturienten, wir brauchen Ihren Mut, Ihre Begeisterung und Ihre Kraft! Wir brauchen junge Menschen wie Sie!

Denn Sie als Absolventinnen und Absolventen einer Beruflichen Oberschule mit den Ausbildungsrichtungen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen haben sich nicht nur Abschlüsse in den entscheidenden Zukunftsfeldern erworben! Sie alle wissen auch aus eigener Erfahrung, dass man durch Leistungsbereitschaft und Engagement mehr aus sich machen, mehr erreichen kann!

Sie vereinen Theorie und Praxis auf das Beste! Sie alle sind der lebende Beweis: Die FOS ist ein zweiter, ebenbürtiger Weg zum Abitur! Dafür habe ich mich schon in meiner Amtszeit als Kultusminister eingesetzt und dafür stehe ich heute ganz genauso ein!

Wenn es Ziel ist, kein Talent verloren zu geben, dann muss auch gewährleistet sein, dass es keine Sackgassen auf dem Weg zur Weiterqualifizierung gibt. Unser Grundsatz lautet: „Kein Abschluss ohne Anschluss“! Das bayerische Bildungswesen ist ein System der wiederkehrenden Chancen! Vielfältig differenziert mit hoher Durchlässigkeit bietet das bayerische Schulsystem auch nach der Entscheidung zum Übertritt an eine weiterführende Schule am Ende der vierten Klasse Chancen auf beste Bildungsabschlüsse!

Zwei Zahlen sollen dies verdeutlichen: Allein im Bereich der beruflichen Schulen gibt es in Bayern bereits heute 15 verschiedene Wege, um die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. 40% der Hochschulzugangsberechtigten kommen daher nicht aus dem Gymnasium, sondern aus dem beruflichen Bereich.

Berufliche Oberschulen wie die FOS Marktredwitz haben unter den bayerischen Schulen daher einen besonders hohen Stellenwert. Im differenzierten bayerischen Bildungswesen bieten sie jungen Menschen eine gleichwertige, stärker mit der Berufspraxis verknüpfte Alternative zum Gymnasium. Damit sind die Beruflichen Oberschulen ein zentraler Baustein zur Verwirklichung der Leitziele bayerischer Bildungspolitik: Qualität und Gerechtigkeit.

Denn das ist es, was die Menschen nicht nur in Bayern, sondern im ganzen Land wollen: Das hat der Volksentscheid in Hamburg dieser Tage noch einmal unterstrichen: Die Bürgerinnen und Bürger haben hier der Einheitsschule ein klares Nein entgegengesetzt. Sie haben sich zugleich für mehr individuelle Förderung in einem mehrgliedrigen Schulwesen ausgesprochen – wie wir das eben in Bayern und insbesondere in Form der Beruflichen Oberschule haben!

Mit ihren drei Säulen Allgemeinbildung, Fachtheorie und Fachpraxis macht die Berufliche Oberschule den jungen Menschen ein hochwertiges und zukunftsfähiges Angebot. Fünf Ausbildungsrichtungen und unterschiedliche Abschlüsse nach der 12. oder 13. Klasse ermöglichen auch innerhalb der Beruflichen Oberschule individuelle Bildungswege, die zur Fachhochschule oder zur Universität führen.

Auch in Marktredwitz wird der Weg zur Allgemeinen Hochschulreife demnächst offenstehen: In Form einer Mischklasse in den Ausbildungsrichtungen Wirtschaft und Sozialwesen bietet die FOS Marktredwitz ab dem Schuljahr 2010/2011 erstmals die so genannte FOS 13 an.

Mit ihrem hohen Qualitätsanspruch, ihrem ganz eigenen Bildungsprofil und vielfältigen Fördermöglichkeiten ist die Berufliche Oberschule in besonderer Weise ein Garant für Chancenvielfalt und Bildungsgerechtigkeit im bayerischen Schulwesen.

Das gilt im besonderen Maße für die FOS Marktredwitz! Die FOS Marktredwitz ist eine Schule von heute für die Welt von morgen!

Sie vermittelt den jungen Menschen: Das vielfältig gegliederte Schulwesen in Bayern bietet eine Fülle an Wegen und Chancen. Jeder erhält hier die Möglichkeit, das Beste aus sich herauszuholen!

„Wo ein Wille ist, da ist ein Weg“ – könnte überhaupt der Leitspruch dieser Schule sein: Erst vor zwei Jahren auf gemeinsame Initiative der Landkreise Wunsiedel und Tirschenreuth gegründet hat die FOS Marktredwitz schon Erfolgsgeschichte geschrieben. Insbesondere durch hervorragende Kooperation mit den benachbarten Schulen ist es Ihnen, sehr verehrter Herr Oberstudiendirektor Donnert, gelungen, einen wirklich erfolgreichen Start hinzulegen! Dafür sage ich Ihnen, allen beteiligten Schulen und allen Lehrkräften herzlichen Dank!

Sie alle machen durch Ihre tägliche Arbeit, v.a. aber durch Ihr außergewöhnliches Engagement möglich, was neben dem bloßen Vermitteln von Stoff eben auch zu unserem bayerischen Bildungsverständnis gehört: die Schülerinnnen und Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Oder wie es die Bayerische Verfassung sagt: Es sind in der Schule auch „Herz und Verstand“ zu bilden.

Denn unser gesellschaftliches Ziel sind mündige Bürgerinnen und Bürger, also Menschen, die sich auch durch Kompetenzen auszeichnen wie Selbstständigkeit, Verantwortung, Rücksichtnahme, Toleranz und Kooperationsbereitschaft! Diese Kultur- und Sozialtechniken machen ein wertorientiertes Gemeinwesen wie das unsere aus. Und genau das hat nicht nur zum heutigen Erfolg Ihrer Schülerinnen und Schülern beigetragen, sondern wird auch für den künftigen Erfolg unseres Landes sorgen! Vielen Dank!

Erfolg hat eben immer viele Väter - und natürlich auch Mütter! Daher gilt heute Abend mein Dank auch den tatsächlichen Müttern und Vätern – eben den Familien! Sie haben Ihren Kindern ein Umfeld geboten, in dem diese sich bestens entwickeln konnten. Sie haben die Grundlagen gelegt, auf denen unsere Gesellschaft aufbaut. Sie machen ihren Kindern Mut, motivieren, unterstützen und spornen an, wenn es einmal nicht so glatt läuft. Dafür gilt Ihnen, den Müttern wie Vätern, mein aufrichtiger Dank!

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

Sie erhalten heute die Bestätigung Ihrer persönlichen Kompetenz und Leistung, auf die Sie stolz sein können. Betrachten Sie Ihr Zeugnis als solide Basis, auf die Sie Ihr persönliches Glück und Ihren beruflichen Erfolg gestellt haben! Denn mit dem Fachabitur haben Sie sich einen der höchsten Bildungsabschlüsse, die unser Land zu bieten hat, erworben! Viele Wege stehen Ihnen offen.

Welchen Weg Sie auch immer wählen – verlieren Sie nie Ihre Begeisterung, Ihren Mut und Ihren Glauben an sich selbst! Ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg viel Erfolg und Gottes Segen!

 
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