Rede

Gelöbnis von 720 Rekrutinnen / Rekruten in Heideck

Datum der Rede: 19.07.10 Rednerin/Redner: Staatsminister Siegfried Schneider

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort

I. BEGRÜSSUNG

- Anrede -

Ihnen allen ein kräftiges bayerisches „Grüß Gott“.

Mein besonderer Gruß gilt Ihnen, liebe Soldatinnen und Soldaten des II. Bataillons des Luftwaffenausbildungsregiments, sowie all Ihren Eltern, Verwandten und Bekannten.

Ich überbringe Ihnen die herzlichsten Grüße unseres Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Er dankt Ihnen für Ihre Bereitschaft zum Dienst in der Bundeswehr und er wünscht Ihnen alles Gute für die kommenden Aufgaben.

Als Vertreter der Bayerischen Staatsregierung ist es für mich eine Ehre und eine große Selbstverständlichkeit, öffentlich Flagge zu zeigen für unsere Bundeswehr. Das feierliche öffentliche Gelöbnis bezeugt die traditionell enge Verbindung der Bayerischen Staatsregierung zur Bundeswehr.

Wir alle wissen: Unsere Soldaten leisten einen wichtigen und ehrenvollen Dienst für unser deutsches Vaterland.

Und auch die bayerische Bevölkerung zollt Ihnen Respekt und Anerkennung – gerade hier in Heideck. Auf den Tag genau vor 45 Jahren wurde hier die älteste Patenschaft zwischen einer deutschen Stadt und einem Bataillon der Luftwaffe aus der Taufe gehoben. Das ist ein eindrucksvoller Beweis für die enge Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger von Heideck mit ihren Soldaten.

Liebe Soldatinnen und Soldaten, seien Sie bei uns in Bayern willkommen! Wir nehmen Sie stets als Freunde auf.

II. DIE TRADITION DES 20. JULI 1944

In tiefem Respekt und mit großer Dankbarkeit gedenken wir morgen der mutigen Tat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Als Wehrmachtsoffizier hat er das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 persönlich ausgeführt und verantwortet.

Die Widerstandskämpfer um Graf von Stauffenberg haben sich zu ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen und gegenüber ihrem Vaterland bekannt. Sie wollten die Terrorherrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland und Europa beenden und Recht und Freiheit wiederherstellen.

Das Attentat scheiterte. Die Männer des 20. Juli bezahlten ihren mutigen Einsatz mit dem Leben. Ihr entschlossenes Handeln in der dunkelsten Zeit unserer Geschichte ist uns heute Mahnung und Leitbild. Gewissen und Moral lassen sich nicht zum Schweigen bringen.

Dieser heroische Einsatz für die Freiheit und für das Vaterland prägt das Selbstverständnis der Bundeswehr. Seit 55 Jahren verrichten die Männer und Frauen der Bundeswehr ihren Dienst für Frieden, Freiheit und Demokratie. Alle Soldatinnen und Soldaten setzen sich aus Überzeugung für die Grundwerte unserer Gesellschaft ein. Dafür schulden wir ihnen Dank und Anerkennung. Die Bundeswehr ist fester Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft.

Liebe Soldatinnen und Soldaten, heute geloben Sie öffentlich Ihre Treue und Verbundenheit zu Staat und Gesellschaft. Auch Sie stellen sich damit in die Tradition des 20. Juli 1944. Als Angehörige der Bundeswehr sind Sie zugleich Staatsbürger in Uniform. Sie haben die Pflicht zum Gehorsam. Sie haben aber – wie wir alle – auch die Pflicht zum Gewissen. Seien Sie sich dieser Verantwortung stets bewusst!

III. AUFGABEN DER BUNDESWEHR

Als Wehrpflichtige übernehmen Sie Verantwortung für die Verteidigung unseres Landes und unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Als Zeitsoldaten sind Sie außerdem bereit, die Sicherheit unseres Landes durch internationale Einsätze zu verteidigen.

Der Dienst unserer Soldaten ist oft lebensgefährlich. Er ist aber auch unverzichtbar.

Ich sage Ihnen Respekt und Dank für Ihren großen Beitrag zur Sicherung von Frieden und Freiheit.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA wissen wir: Sicherheitspolitik im beginnenden 21. Jahrhundert wird geprägt vom weltweiten Kampf gegen den Terror.

Glücklicherweise sind wir in Deutschland bisher schweren Anschlägen entgangen. Wir müssen alles tun, damit wir auch in Zukunft sicher leben können. Deshalb beteiligt sich die Bundesrepublik Deutschland an internationalen Friedenseinsätzen – zum Beispiel in Afghanistan, im Kosovo sowie vor den Küsten Somalias und des Libanons.

Deutschland muss auch in Zukunft seiner weltweiten Verantwortung gerecht werden. Dabei gelten drei Leitlinien unserer sicherheitspolitischen Staatsräson:

1. Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit.

Freiheit und Demokratie lassen sich nur in einem Bündnis Gleichgesinnter verteidigen. Wer Solidarität erwartet und erfahren hat wie Deutschland, der muss auch Solidarität geben. Durch das transatlantische Bündnis mit unseren amerikanischen Freunden und mit den Partner in der NATO sichern wir Freiheit, Sicherheit und Wohlstand.

2. Ohne Sicherheit keine Freiheit.

Wer nicht in Sicherheit leben kann, ist zutiefst unfrei. Das lehren uns die Kriege des 20. Jahrhunderts und der internationale Terrorismus der Gegenwart.

3. Sicherheit braucht Zusammenarbeit.

Auf die globalen Gefährdungen kann die Welt nur durch gemeinsames Handeln reagieren. Sicherheit und den Schutz von Freiheit und Demokratie gibt es nur als koordinierte, vernetzte und internationale Sicherheit.

Für diese Prinzipien steht besonders unser Bundesverteidigungsminister aus Bayern, Karl-Theodor zu Guttenberg. Dafür steht auch die gesamte Bayerische Staatsregierung.

IV. ZUKUNFT DER WEHRPFLICHT

Die internationale Einsatzfähigkeit der Bundeswehr muss auch in Zukunft gewährleistet bleiben – auch vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Kassen. Eine Strukturkommission erarbeitet derzeit Vorschläge zur Zukunft der Bundeswehr.

Auch die Beibehaltung der Wehrpflicht steht auf dem Prüfstand. Allerdings muss die Aussetzung oder Abschaffung der Wehrpflicht wohlüberlegt sein. Denn die Wehrpflicht ist ein deutsches Erfolgsmodell:

  • Die Wehrpflicht ist bewährter Bestandteil unserer Verfassung und Werteordnung.
  • Die Wehrpflicht ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Truppe und Gesellschaft.
  • Die Wehrpflicht erleichtert die Nachwuchsgewinnung und die Verjüngung der Truppe. Dafür sind Sie, liebe Soldatinnen und Soldaten, der beste Beweis.

Wir in Bayern sind stolz auf die Bundeswehr.

Wir sind stolz auf diese junge Generation, die bereit ist, für unser Vaterland Verantwortung zu übernehmen.

Sie und Ihre Kameraden können sich der Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung stets sicher sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen.

 
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