Pressemitteilung

21.10.08

Studienbeiträge - Studien

Vor einer Phantomdiskussion über die vom Bundesbildungsministerium in Auftrag gegebenen Studien zum Studierverhalten hat Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel am Dienstag in München gewarnt. Man müsse zunächst die veröffentlichten Studien abwarten. „Eine Diskussion über Studienergebnisse, die uns nicht vorliegen, halte ich für müßig. Sobald die Studien veröffentlicht sind, werden wir deren Ergebnisse sehr genau analysieren – erst danach ist eine differenzierte Bewertung möglich“, so der Minister. Goppel unterstrich, auch nach Einführung der Studienbeiträge in Bayern im Sommersemester 2007 habe sich der kontinuierliche Anstieg der Studienanfängerzahlen fortgesetzt, zuletzt sei zum neuen Wintersemester eine Steigerung von rund fünf Prozent zu erwarten. „Wir haben keine Anhaltspunkte, dass Studienbeiträge, so wie wir sie in Bayern eingeführt haben, abschrecken“, sagte der Minister.

Die Studien sollen unter anderem Aussagen darüber enthalten, wie viele Abiturienten des Jahrgangs 2006 wegen der Studienbeiträge auf ein Studium verzichtet haben. Verlässliche Aussagen über die Übergangsquote eines Abiturientenjahrgangs an die Hochschulen könnten allerdings erst fünf bis sechs Jahre nach dessen Abiturprüfung gemacht werden, so Goppel. Im ersten Jahr nach dem Abitur beginnen durchschnittlich lediglich rund 41 Prozent der Studienberechtigten mit einem Studium, im zweiten Jahr insgesamt rund 60 Prozent. Sechs Jahre nach dem Abitur liegt die Übertrittsquote in Bayern mit 84,4 Prozent weit über dem Bundesschnitt von 76,1 Prozent und damit an der Spitze der Flächenstaaten (Statistisches Bundesamt: „Hochschulen auf einen Blick, 2008“).

Die Gründe für eine beschleunigte oder verzögerte Aufnahme eines Studiums bzw. für einen völligen Studienverzicht sind vielfältig und wiegen nicht für jeden Jahrgang gleich stark. Nach einer bereits im Frühjahr 2008 erschienenen Studie der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH) mit dem Titel „Studienberechtigte 2006 ein halbes Jahr nach Schulabschluss“ gaben (bei Mehrfachnennung unter 14 Faktoren) mehr als zwei Drittel derjenigen, die auf ein Studium verzichten wollten als Grund an, sie wollten möglichst bald selbst Geld verdienen, rund die Hälfte interessierte eine praktische Tätigkeit mehr als ein theoretisches Studium, gut ein Viertel hatte ein festes Berufsziel, das kein Studium voraussetzt, und ein Viertel sagte, die Studiengebühren überstiegen ihre finanziellen Möglichkeiten.

Goppel hob die soziale Ausgestaltung der Studienbeiträge in Bayern hervor. Rund ein Viertel der Studierenden sei z. B. aus sozialen Gründen von der Beitragspflicht befreit. Zudem biete Bayern ein Studienbeitragsdarlehen, das sich gründlich von „normalen Krediten“ unterscheidet. Unsere Studierenden brauchen für ein Darlehen keine Sicherheiten, auch keine Bonitätsprüfung, sagte der Minister. Außerdem müsse das Darlehen erst ab einem bestimmten Mindesteinkommen zurückgezahlt werden. Unterschreitet ein Absolvent das Mindesteinkommen, wird die Rückzahlung ausgesetzt – in dieser Zeit entfallen auch die Zinsen. Goppel: „Liegt das Einkommen dauerhaft unter dem Mindesteinkommen, muss das Darlehen überhaupt nicht zurückgezahlt werden. Die Furcht, nach dem Studium vor einem Schuldenberg zu stehen, ist also unbegründet.“

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