Pressemitteilung

18.01.08

Ministerpräsident Beckstein verleiht Bayerischen Filmpreis: Ehrenpreis an weltberühmten Kameramann Michael Ballhaus

Produzentenpreis für den Film "Kirschblüten Hanami" / Beckstein: "Bayerischer Filmpreis steht dafür, dass wir in Bayern Kultur und Filmkunst groß schreiben

Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein verleiht heute im Rahmen einer glanzvollen Gala-Veranstaltung im Münchner Prinzregententheater zum 29. Mal den Bayerischen Filmpreis. Der "Bayerische Oscar" ist eine der begehrtesten und renommiertesten Auszeichnungen der deutschen Filmbranche. Gewürdigt werden herausragende Leistungen der Filmkunst vor und hinter der Kamera. Beckstein: "Ich freue mich, dass ich heute erstmals den Bayerischen Filmpreis vergebe. Als einer der begehrtesten Preise für die herausragenden Leistungen des deutschen Films steht der Bayerische Filmpreis dafür, dass wir in Bayern Kultur und Filmkunst groß schreiben. Das hat eine lange Tradition und wird auch in Zukunft so bleiben."

Der Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises geht in diesem Jahr an Michael Ballhaus, den renommiertesten deutschen Kameramann und einen der bedeutendsten Kameraleute des internationalen Films weltweit. Beckstein: "Der in Berlin geborene und in Franken aufgewachsene Michael Ballhaus hat in den 40 Jahren seines Wirkens Filmgeschichte geschrieben. Er hat mit seiner Kameraarbeit nicht nur wesentlich den Neuen Deutschen Film mitgeprägt. Er hat es als einer der wenigen deutschen Filmkünstler auch in den USA zu höchster Anerkennung gebracht und Meisterwerke von so großen Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola maßgeblich mitgestaltet. Großen Respekt verdient, dass er sein Wissen und seine Erfahrungen jetzt an den Filmnachwuchs in Deutschland weitergibt."

Mit dem mit 200.000 Euro dotierten Produzentenpreis ausgezeichnet werden Molly von Fürstenberg und Harald Kügler von der Münchner Produktionsfirma Olga Film für den poetischen und berührenden Film "Kirschblüten Hanami".

Nachfolgend die Namen aller Preisträger und die Begründungen der Jury:

  1. Produzentenpreis (dotiert mit 200.000 Euro) an Molly von Fürstenberg und Harald Kügler (Olga Film) für die Produktion des Films "Kirschblüten Hanami".

    Die Münchner Produktionsfirma Olga Film kann auf viele bemerkenswerte Produktionen zurückschauen. Mit dem neuesten Film von Doris Dörrie haben die Produzenten Molly von Fürstenberg und Harald Kügler wiederum einen überzeugenden und rundum stimmigen Film verwirklicht. Hier ist in der charakteristischen Handschrift von Doris Dörrie und mit herausragenden Schauspielern ein Werk entstanden, das den Zuschauer von der ersten Einstellung bis zur letzten Szene in seinen Bann zieht und ihn tief anzurühren vermag. Dabei gelingt es auf besondere Weise, einen Bogen von einem Allgäuer Dorf mit seinen bodenständigen Lebensformen über Berlin und die Ostsee bis hin ins ferne Japan zu spannen, der die Unterschiedlichkeit der Kulturen ebenso wie ihre Vereinbarkeit im Leben und in den Träumen der Protagonisten sichtbar macht.

  2. Regiepreis (dotiert mit 10.000 Euro) an Fatih Akin für seinen Film "Auf der ande¬ren Seite".

    Mit seinem Spielfilm "Auf der anderen Seite" reflektiert Fatih Akin darüber, was Kulturen und Generationen oft trennt. Durch das gute Drehbuch, aber vor allem die herausragende Regie, gelingt es Fatih Akin, die Divergenzen in großer Klarheit darzustellen. Am Ende des Filmes können wir jedoch miterleben, wie das menschliche Empfinden, weltumfassend betrachtet, große Ähnlichkeiten aufweist und die Versöhnung somit immer eine Möglichkeit darstellt. Dadurch erhält der Film, jenseits seiner cinematographischen Qualität, auch positive Bedeutung für zukünftige Gemeinsamkeiten von Deutschland und der Türkei sowie der christlichen und islamischen Kultur.

  3. Drehbuch- und Nachwuchsregiepreis (dotiert mit 15.000 Euro) an Ralf Westhoff für seinen Film "Shoppen".

    18 Münchner Singles um die nicht mehr ganz jugendfrischen Dreißig treffen bei einem "Speed-Dating" aufeinander. Wie der Wissenschaftler in einem Teilchenbeschleuniger beobachtet Autor und Regisseur Westhoff was geschieht, wenn die verschiedenartigsten Charaktere aufeinander treffen. Das Buch ist dramaturgisch ungewöhnlich gebaut und lebt vor allem von lebensklugen und amüsanten Dialogen. Ein durchwegs junges, unbekanntes Ensemble, das Westhoff aus dem Münchner Theaternachwuchs zusammenstellte, spielt erfrischend locker und authentisch - eine beachtliche Regieleistung für einen Erstlingsfilm.

  4. Darstellerpreis weiblich (dotiert mit 10.000 Euro) an Martina Gedeck für die Rolle in dem Film "Meine schöne Bescherung".

    Martina Gedeck ist eine Schauspielerin, die jeder ihrer Rollen eine besondere Prägung und Unverwechselbarkeit verleiht. In ihrer Wandlungsfähigkeit oft nicht wiederzuerkennen, verkörpert sie stets überzeugend genau die Figur, die ihr das Drehbuch zuweist, und verleiht ihr damit ihren charakteristischen und lebensechten Charakter. Im Geschlechter- und Beziehungskampf von Vanessa Jopps "Meine schöne Bescherung" beweist sie mit präzisem Stil und feinem Humor erneut die Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens. In dieser unterhaltsamen Komödie der X-Film Creative Pool bildet Martina Gedeck das Glanzlicht eines herausragenden Schauspielerensembles, das das Publikum auf intelligente Weise glänzend zu unterhalten vermag.

  5. Darstellerpreis männlich (dotiert mit 10.000 Euro) an Elmar Wepper für die Rolle in dem Film "Kirschblüten Hanami".

    In Doris Dörries neuem Japan-Film "Kirschblüten Hanami" verkörpert Elmar Wepper einen älteren Ehemann, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau erkennt, was er ihr alles nicht gegeben hat. Er reist an den Ort ihrer Sehnsüchte, denn es drängt ihn, möglichst viel gutzumachen, quasi in ihre Rolle zu schlüpfen, alles nachzuholen. Diese Zeit der Besinnung gibt Wepper mit einer darstellerischen Intensität und Reife wieder, die anrührt und zuweilen überwältigt. Das ist Schauspielkunst. Dafür verdient Elmar Wepper den Bayerischen Filmpreis.

  6. Nachwuchsdarstellerpreis weiblich (dotiert mit 10.000 Euro) an Elinor Lüdde für die Rolle in "Meer is nich".

    In Hagen Kellers Film "Meer is nich" verkörpert Elinor Lüdde die 17-jährige Lena, die den für sie vom Vater ausgesuchten Beruf ablehnt und unbedingt Schlagzeugerin werden möchte. Nach vielen und langen Schwankungen glaubt sie an sich selbst, lässt alle Hindernisse und Zweifel hinter sich, setzt sich durch, findet Weg und Ziel. Elinor Lüdde, die selbst Schlagzeug in einer Band spielt, füllt diese Rolle glän¬zend aus. Sie strahlt bei aller Zurückhaltung, mit der sie den Part spielt, Natürlichkeit, Sympathie, Zielstrebigkeit und Überzeugung aus. So wünscht man sich junge Schauspielerinnen. Dafür gibt es den Bayerischen Filmpreis.

  7. Nachwuchsdarstellerpreis weiblich (dotiert mit 10.000 Euro) an Petra Schmidt-Schaller für die Rolle in "Ein fliehendes Pferd".

    Die überraschendste Neuentdeckung im hervorragenden Schauspielerensemble des Spielfilms "Ein fliehendes Pferd" ist Petra Schmidt-Schaller als Helene. Mit überzeugender Leichtigkeit verbindet sie Naivität und Unbedarftheit mit Anmut und Erotik, die die Figur der "Hel" im Drehbuch nach Walsers Romanvorlage charakterisieren. Mit ihrem harmonischen Spiel im Kreis der vier Protagonisten trägt Petra Schmidt-Schaller ganz wesentlich zum Erfolg dieser fesselnden Literaturverfilmung von Rainer Kaufmann, produziert von Rikolt von Gagern bei.

  8. Dokumentarfilmpreis (dotiert mit 10.000 Euro) an Pepe Danquart für seinen Film "Am Limit".

    Die Brüder Thomas und Alexander Huber gehören zur Weltspitze der Extrem- und Alpinkletterer. Dieses Mal wollen sie mit einem Geschwindigkeitsrekord die fast 1000 Meter senkrecht aufsteigende Granitwand "The Nose" im Yosemite Nationalpark in Kalifornien schaffen, eine waghalsige Tour in Stunden bewältigen, zu der andere Tage brauchen. Der Dokumentarfilm des Oscar-Preisträgers Pepe Danquart begleitet die Vorbereitungen, den Übungsaufstieg, das psychologische Verhältnis der Brüder, die Überwindung der Angst, die Meinung der Freunde zum Wesen, zu den Zielen und zu der übermenschlichen Kraftanstrengung der "Huberbuam". Dann schließlich der lebensgefährliche Versuch. Ein Dokument extremster menschlicher Möglichkeiten mit teils sensationellen, nie gesehenen Bildern.

  9. Bester Kinder- und Familienfilm (dotiert mit 10.000 Euro) an Detlev Buck für seinen Film "Hände weg von Mississippi".
    Es ist immer wieder ein Glücksfall, wenn nach einem erfolgreichen Kinderbuch ein Film entsteht, der in der Lage ist, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern. "Hände weg von Mississippi", nach dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke, ist ein solcher Film, der Freude macht. Seinem Regisseur Detlev Buck, der mit Claus Boje auch Produktionsverantwortung übernommen hat, gelingt eine wunderbare filmische Erzählung, die mit viel Humor, aber auch mit Tiefgang und Hintergründigkeit sein Publikum gleichermaßen anrührt und zum Lachen bringt.

  10. Spezialpreis der Jury (dotiert mit 25.000 Euro) an Veit Helmer für seinen Film "Absurdistan".

    Der "filmische Allrounder" Veit Helmer beweist auch mit seinem neuen Film, der wunderbar skurril verrückten Tragikkomödie "Absurdistan", dass er zu den ungewöhnlichsten, phantasievollsten und leidenschaftlichsten Filmemachern in Deutschland gehört. Veit Helmer bewahrt sich seine kindlich verspielte Leidenschaft für das filmische Erzählen, bleibt sparsam mit den Dialogen und setzt auf eine universell verständliche Bildsprache, die als integrative Kraftquelle überall auf der Welt verstanden werden kann. Dass er seine ganz eigene filmische Vision, so absurd sie auch immer sein mag - wie schon der Filmtitel "Absurdistan" assoziiert, mit seinem ganz persönlichen kreativen und finanziellen Einsatz als Autor, Regisseur und Produzent zu stemmen vermag, verdient den Respekt und die Anerkennung der Jury.

  11. Preis für die beste Bildgestaltung (dotiert mit 10.000 Euro) an Benedict Neuenfels für Maria Schraders Film "Liebesleben".

    Benedict Neuenfels unterstützt mit seiner Kameraarbeit in kongenialer Weise die Vorstellungen von Maria Schrader bei ihrem gelungenen Regie-Debüt. Von Beginn des Films an packt seine Bildgestaltung den Zuschauer und nimmt ihn mit in eine Welt voller Geheimnisse und Widersprüche. Es gelingt ihm, auf eine ganz besonders eindringliche und subtile Weise immer ganz dicht an den Darstellern zu bleiben und so ihre Gefühle sichtbar zu machen.

  12. Beste Filmmusik (dotiert mit 10.000 Euro) an Niki Reiser für die Musik zum Film "Liebesleben".

    Niki Reiser findet in "Liebesleben" auf bewegende Weise eine musikalische Sprache, die die emotional, persönlich und politisch - wir sind im Jerusalem der Ge¬genwart - extrem komplexe und schwierige Situation der handelnden Personen verdichtet. Es gelingt ihm, durch differenzierte Wahl musikalischer Formen und Stile, von kammermusikalisch intimen, fast tastenden Versuchen bis hin zum vollen Orchesterklang, von volkslied-ähnlichen Elementen der Klezmer-Musik bis zu verstörend schroffen Tönen, das komplizierte Geflecht menschlicher Empfindungen zu verdeutlichen. Der Diskurs der handelnden Personen wird dem Zuschauer auch mit den Mitteln der Musik eindrucksvoll nahe gebracht.

  13. Preis der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken (VGF, dotiert mit 60.000 Euro) an Britta Knöller und Hans Christian Schmid (23/5 Filmproduktion GmbH) für den Film "Am Ende kommen Touristen".

    Neben den staatlich dotierten Preisen vergibt auch in diesem Jahr die VGF einen mit 60.000 Euro dotierten Preis an einen Nachwuchsproduzenten. Der Preis geht an Britta Knöller und Hans Christian Schmid von der Firma 23/5 Filmproduktion GmbH für den Film "Am Ende kommen Touristen". Robert Thalheim's Film "Am Ende kommen Touristen" erzählt die Geschichte eines jungen Deutschen, der in der polnischen Kleinstadt Oswiecim, am Rande und im Schatten des einstigen deutschen Todeslagers Auschwitz gelegen, seinen Zivildienst ableistet. Seine wichtigste Aufgabe dort ist es, sich um den ehemaligen polnischen KZ-Häftling Krzeminski zu kümmern, der noch immer in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Lager lebt. Die Beziehung zwischen dem jungen "Zivi" Sven und dem überlebenden Krzeminski, die problematisch und kompliziert, manchmal auch tragikkomisch ist, steht im Mittelpunkt des Films. Thalheim greift dabei auf seine eigene Biografie zurück. Er selbst arbeitete für Aktion Sühnezeichen Mitte der 90-er Jahre in Auschwitz.

  14. Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für Michael Ballhaus.

    Michael Ballhaus hat in über 40 Jahren eines erfüllten und überaus reichen Be¬rufslebens als "Director of Photography" Meisterwerke von Regiegrößen wie Rainer Werner Fassbinder, Martin Scorsese, Steven Kloves, Mike Nichols oder Francis Ford Coppola in prägender Weise mitgestaltet. Seine kamera-dramaturgische Erfindung ist die 360-Grad-Fahrt um die Darsteller, die - in Fassbinders "Martha" entwickelt - zu seinem Markenzeichen wurde. Michael Ballhaus hat als Bildregisseur Filmgeschichte geschrieben. Kein anderer beherrscht so meisterhaft die Kunst, mit der Kamera Geschichten zu erzählen. Respekt und Dank verdient sein großes Engagement für den filmischen Nachwuchs. In Anerkennung seiner herausragenden Leistungen für den Film erhält Michael Ballhaus den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises 2007.