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Umwelt und Natur
Ökotrend Bayern
Einstellungen der bayerischen Bevölkerung zu umweltpolitischen Fragen
Dem bayerischen Ökotrend auf der Spur: das Institut für Demoskopie Allensbach befragte im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit einen repräsentativen Querschnitt der bayerischen Bevölkerung zu umweltpolitischen Einstellungen. Die Untersuchung stützt sich auf 1.006 Interviews, die zwischen 5. und 20. Juni 2009 durchgeführt wurden.
Die Kernergebnisse der Befragung im Überblick:
I. Klimawandel
- Sorgen über den Klimawandel und seine möglichen Folgen sind in allen Bevölkerungsschichten in Bayern weit verbreitet. 64 Prozent sehen darin ein ernsthaftes Problem. Lediglich rund ein Drittel der Bevölkerung geht davon aus, dass in der Diskussion um den Klimawandel einiges übertrieben wird. Frauen zeigen sich tendenziell besorgter als die Männer: Für 66 Prozent der Frauen, 61 Prozent der Männer stellt der Klimawandel ein ernsthaftes Problem dar.
- Den wichtigsten Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung in den nächsten 20, 30 Jahren erwartet sich die Bevölkerung von der Sonnen- (65 Prozent) und Windenergie (41 Prozent), gefolgt von der Wasserkraft (31 Prozent) und Kernkraft (30 Prozent). Sonnen-, Windenergie und Wasserkraft werden in den Wunschvorstellungen noch deutlicher akzentuiert als in den Erwartungen, während der Beitrag der Kernkraft in den Wunschvorstellungen deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.
- Der Vorschlag, die Laufzeiten von Kernkraftwerken zu verlängern, um die CO2-Belastung zu verringern, wird von einer relativen Mehrheit der bayerischen Bevölkerung (48 Prozent) unterstützt. 40 Prozent sprechen sich ausdrücklich dagegen aus. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem Urteil deutlich: Bei lediglich 37 Prozent der Frauen, dagegen 60 Prozent der Männer würde eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken auf Zustimmung stoßen.
- Ein weiterer Ausbau der Windkraft stößt nur bei rund einem Viertel der Bevölkerung auf Vorbehalte. 26 Prozent würde es stören, wenn eine Windkraftanlage in der näheren Umgebung des eigenen Wohnorts errichtet würde. 28 Prozent teilen die Ansicht, dass Windräder die Landschaft verschandeln.
- Die Forderung zur Erhaltung von natürlichen Überschwemmungsgebieten an Flussufern als Vorsorge gegen Hochwasser findet breite Zustimmung: 73 Prozent sprechen sich für diese Maßnahme aus, 15 Prozent möchten im Zweifelsfall die Eigentumsrechte und Interessen von Grundbesitzern berücksichtigt sehen. Diese breite Zustimmung gilt für alle Regionen Bayerns gleichermaßen: So plädieren z.B. jeweils 74 Prozent der Bevölkerung im den Regierungsbezirken Niederbayern und Schwaben für einen Erhalt der Überschwemmungsgebiete, 75 Prozent der Bewohner Mittelfrankens.
- In diesem Zusammenhang findet der geplante Ausbau der Donau in Niederbayern nur geringe Unterstützung (23 Prozent). 58 Prozent in Bayern insgesamt, 64 Prozent der niederbayerischen Bevölkerung plädieren für einen Verzicht. Auch wenn sich in allen Bevölkerungskreisen nur Minderheiten für einen weiteren Ausbau aussprechen, sind Befürwortung und Ablehnung in einzelnen Gruppen unterschiedlich ausgeprägt. So plädieren Männer (30 Prozent) häufiger für einen Ausbau als Frauen (17 Prozent), Ältere (Über-60-Jährige: 31 Prozent) häufiger als die Unter-30-Jährigen (21 Prozent).
II. Bewahrung der Schöpfung
- Der 'Bewahrung der Schöpfung' als Kernziel einer Umweltpolitik hat für die bayerische Bevölkerung hohes Gewicht. 84 Prozent messen diesem Ziel ein große oder sehr große Bedeutung zu. Die Menschen in den einzelnen Regionen Bayerns unterscheiden sich in ihrer Einschätzung, wenn überhaupt, nur geringfügig. So hat z.B. für 31 Prozent die Bewohner Oberbayerns der Erhalt der Schöpfung eine sehr große Bedeutung, für weitere 50 Prozent eine große Bedeutung. In Niederbayern betragen die entsprechenden Anteile 38 bzw. 45 Prozent. Besonders wichtig ist dies der weiblichen Bevölkerung: 38 Prozent der Frauen, 29 Prozent der Männer messen der 'Bewahrung der Schöpfung' eine außerordentlich hohe Bedeutung zu.
- Während das generelle Urteil über Vor- und Nachteile der Gentechnik in verschiedenen Bevölkerungsschichten differenziert ausfällt, stößt ein Einsatz der Gentechnik speziell in der Landwirtschaft auf breite Ablehnung: 74 Prozent der bayerischen Bevölkerung sind prinzipiell gegen einen solchen Einsatz. 71 Prozent unterstützen die Forderung, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Bayern generell zu verbieten. Gleich hoch ist der Anteil, der beim Kauf von Lebensmitteln besonderen Wert darauf legt, dass es sich um Produkte handelt, die gentechnisch nicht verändert wurden.
Generell äußern sich Frauen gegenüber der Gentechnik kritischer als Männer, sowohl in ihrer allgemeinen Einschätzung als auch im Hinblick auf landwirtschaftliche Nutzung. 46 Prozent der Frauen, 36 Prozent der Männer sind der Ansicht, dass die Gentechnik alles in allem eher schadet, 75 Prozent der Frauen, 67 Prozent der Männer unterstützen die Forderung nach einem generellen Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in Bayern. - Ein Vorschlag stößt auf große Resonanz: Bayern zur 'Vorzeige-Bio-Region' auszubauen, in der besonderen Wert auf Naturschutz und eine umweltgerechte Landwirtschaft gelegt wird. 85 Prozent der bayerischen Bevölkerung würden eine solche Zielsetzung begrüßen, 71 Prozent sind zudem überzeugt, dass die Bezeichnung 'Vorzeige-Bio-Region' zu Bayern gut passen würde.
- Für die Menschen in Bayern ist wichtig, dass die Lebensmittel aus der Region stammen. Dies ist beim Einkauf für 60 Prozent der Bevölkerung besonders wichtig. Insbesondere für die über 30-Jährigen spielt die Herkunft der Lebensmittel eine bedeutende Rolle. Bei der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren betonen dies 52 Prozent der Befragten. Bei den Menschen über 60 Jahren gaben 72 Prozent an, dass die regionale Herkunft ein entscheidendes Kriterium für den Einkauf ist.