Rede

Gaufest bayerischer Gebirgstrachten-Erhaltungsvereine

Datum der Rede: 18.07.10 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort

- Anrede -

  • Herzliches „Grüß Gott“ allen Trachtlerinnen und Trachtlern!
  • Herzliches „Grüß Gott“ allen Einheimischen und allen Gästen aus nah und fern, die Sie heute gekommen sind, um mit den Trachtlerinnen und Trachtlern zu feiern!

Es ist mir eine große Freude und ausgesprochene Ehre, beim 120. Gautrachtenfest des Gauverbandes I Oberbayerischer Gebirgstracht-Erhaltungsvereine hier in Ampfing zu sein!

Es gibt ja wirklich viel zu feiern! Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Isentaler“ Ampfing begeht heute gleichzeitig sein 100-jähriges Gründungsfest! Das ist ein schönes Doppeljubiläum! Als Bayerischer Ministerpräsident gratuliere ich dazu von ganzem Herzen!

„Bewahret treu und echt der Väter gute Sitten, der Heimat heilig Recht“ – so lautete der Wahlspruch der Ampfinger Burschen, die auf Anregung des bekannten Musikers Schorsch Raspl am 23.10.1910 den Trachtenverein gründeten.

Und diese Idee trägt Sie alle heute noch: Sie sind bis heute die Hüter und Bewahrer unserer bayerischen Volkskultur, unseres Traditionsbewusstseins und unseres Geschichtsbewusstseins.

Sie alle tragen heute mit Stolz Ihre Tracht und zeigen dadurch einmal mehr, wie wichtig gelebte Traditionen sind, wie wichtig ein wacher Blick in unsere Vergangenheit bleibt: Das prägt unsere Identität und unser Selbstverständnis. Das schafft Gemeinschaftsgefühl und gibt sicheren Halt.

Dieses Bekenntnis zu Tradition und Brauchtum verleiht uns aber auch Kraft – die Kraft, um in einer Welt des Wandels zu bestehen. Denn wir brauchen unsere geistigen und kulturellen Wurzeln, wenn wir die Chancen einer stetig sich verändernden Welt nutzen wollen! Wir brauchen unsere Vergangenheit für unsere Zukunft!

Und auch in dieser Erkenntnis folgen wir einer guten Tradition: Der erste Trachtenverein ist am Ende des 19. Jahrhunderts gegründet worden, weil im Zuge der Industrialisierung die landesübliche „Lederhos‘n“ immer mehr verschwand. Das wollte der Kreis um Josef Vogl, dem Vater der Trachtenvereine, um jeden Preis verhindern! Im Kampf gegen den Konformismus waren darum schon 1883 Hebung und Förderung der Vaterlandsliebe, Wiederauffrischung der Volkstracht, Neubelebung des Volksgesanges und der geselligen, untadelhaften Unterhaltung als Vereinsziele festgeschrieben worden.

Heute, im Zeitalter der Globalisierung, können wir diesen Rückzug ins Vertraute wieder beobachten: Je mehr wir Europäer, je mehr wir Weltbürger werden, desto wichtiger erscheint uns auch im Gegenzug der Erhalt unserer regionalen Eigenheiten, unserer regionalen Identität. Und je mehr uns im vereinten Europa, in unserer nun so klein gewordenen Welt auch wieder Konformität abverlangt und auferlegt werden, desto mehr brauchen wir Wurzeln, die uns halten!

Und das sind neben unseren Familien und Freunden, neben unseren Landschaften, Städten und Dörfern eben auch unsere Traditionen und unsere christlich-abendländische Kultur.

Und darum leben auch 95% der Menschen gerne in Bayern, wie eine aktuelle Studie des BR besagt!

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“ - hat der englische Staatsmann Thomas Morus einmal gesagt.

Deshalb lassen sich Trachten, Traditionen und Volkskultur nicht durch Volkskundler und Museen konservieren! Deshalb müssen sie von den Menschen selbst gelebt werden! Die „Isentaler“ wussten das schon vor 100 Jahren: Der Kult ums G’wand, das heißt die traditionelle Oberlandler Tracht war von Anfang an mit dabei!

Sie alle, liebe Trachtlerinnen und Trachtler, leben mit den von Generation zu Generation überlieferten Bräuchen. Sie alle geben diese Bräuche an die nachfolgende Generation weiter. Am Tag der offenen Tür der Bayerischen Staatskanzlei vor wenigen Wochen in München konnte ich mich davon selbst überzeugen: Ihre Trachtenjugend führt fort, was die Gründungsväter im letzten Jahrhhundert begonnen haben! Und die Beteiligung am Wertebündnis ist nur eine der vielen Aktivitäten der jungen Trachtler, in denen das zum Ausdruck kommt!

Und was mir als Bayerischer Ministerpräsident am wichtigsten erscheint - Sie verkörpern selbst, was Bayern ausmacht:

  • Stolz auf unsere Jahrhunderte alten Traditionen
  • Stärke einer an christlichen Werten orientierten Gesellschaft
  • Liebe zur bayerischen Heimat und damit auch den Willen bayerische Eigenstaatlichkeit und Eigenständigkeit zu behaupten!

Das verdient unser aller Dank und Anerkennung! Ein herzliches „Vergelt’s Gott“!

Ich wünsche nun Ihrer Arbeit weiterhin viel Erfolg und Ihnen allen viel Freude bei Ihren Jubiläumsfeierlichkeiten! „Pfüa Gott“ und Gottes Segen!